Och du meine Güte!!! Nach ca. 10 Stunden slow boat (mega slow und sooo laut) und 1.5 stündiger Busfahrt erreichen wir die Hauptstadt Kambodschas, Phnom Penh. Wenn wir nicht mal ausgiebig das Mekong Delta erkundet haben, dann weiss ich auch nicht. Die ersten 6 Stunden waren ganz nett, Zeit zum lesen, Reisetagebuch zu schreiben und all den Kindern am Flussufer zurück zu winken.
Werden überrascht, dass Kambodschas Hauptstadt so teuer ist. Jeder ist davon ausgegangen, dass es günstiger als Vietnam werden würde, was jedoch nicht der Wahrheit entspricht. Hatten uns auf Armut eingestellt und werden mit Grossstadt-Normalität begrüsst. Überwiegend grosse Geländewagen der Marke Lexos. Das hatten wir nun wirklich nicht erwartet. Fühlen uns anfangs nicht so wohl hier – wissen nicht, ob diese Stadt sicher ist.
Es ist mal wieder brütend heiß und wir schwitzen was das Zeug hält. Sehen etliche wunderschöne Pagodas. Diese Bauten faszinieren uns. Die Stadt hat viele französische Kolonialhäuser, die das Stadtbild verschönern. Da ich falsch gekleidet bin (Pashminas not accepted) können wir uns den Royal Palace und Silver Pagoda nicht anschauen. Suchen uns einen Tuc-Tuc Fahrer der uns zu den 14km entfernten Killing Fields of Choeung Ek bringt. Die Fahrt dorthin ist sowas von staubig und dreckig, dass manchmal die Luft zum atmen fehlt. Sehen hier was von dem Kambodscha, was wir uns vorgestellt hatten. Armut, nicht existierende Strassen, betelnde Kinder. Geschichtlich unwissend stehen wir zutiefst geschockt vor dem Memorial, das 800 Totenschädel aufgetürmt hat. Ein Ort des Grauens. Das Khmer Rouge Regime hatte Zighunderttausende Bürger grausam getötet, alle Bildungseinrichtungen, Intellektuelle und medizinische Einrichtungen wurden abgeschafft. Ein menschliches Verbrechen höchsten Grades. Interessant, dass wir von diesem Verbrechen zu Hause noch nie etwas gehört hatten.
Danach lassen wir uns zum Genocide Museum „Tuol Sleng“ fahren. Der nächste Schock. Dieser Ort war eigentlich mal eine High School und wurde von dem Regime in ein Gefängnis des Grauens umgewandelt. Der Magen wird flau, es ist fast so, als ob man fühlen könnte, was hier passierte. Wir lesen uns die komplette Geschichte, wie die Khmer Rouge an die Macht kam und was passierte durch. Sichtlich erschöpft von unserem neuen Wissen gehen wir zu unserem Tuc Tuc Fahrer zurück und erfahren, dass auch er Angehörige verloren hatte. Wir verstehen besser, warum die Leute noch immer so traumatisiert sind.